„125 JAHRE KLINIKUM AM URBAN, 1890–2015“

Dieses Jahr feiert das Klinikum Am Urban sein 125jähriges Bestehen. Damit gehört es zu den ältesten Krankenhäusern Berlins. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1890

ist es ein Spiegel der medizinischen, gesellschaftlichen und politischen Geschichte der Stadt. Mit vielen, zum Teil erstmals veröffentlichten Fotografien schildert der Jubiläumsband „125 JAHRE KLINIKUM AM URBAN, 1890–2015“ umfassend die Historie des Hauses.

Autor: Matthias Heisig
Softcover
120 Seiten
14,8 x 21 cm
EUR 9,90

Das Buch ist erhältlich über das Sekretariat der Regionaldirektion im Klinikum Am Urban.
Frau Doreen Heyner
Tel. 030 – 130 220 001
doreen.heyner(at)vivantes.de

Historie

Geschichte des Hauses
14.2.1862 Ottilie Beschort, die Tochter des Opernsängers und Hofschauspielers Friedrich Jonas Beschort, gibt ihren letzten Willen zu Protokoll: Sie stiftet 400.000 Mark für den Bau eines Krankenhauses.
1878 Der Magistrat beschließt ein städtisches Krankenhaus auf dem Urban zu errichten.
14.4.1881 Mit dem Tod von Ottilie Beschort steht die Stiftungssumme (durch Verzinsung erhöht auf über 600.000 Mark) zur Verfügung.
18.5.1887 Die Berliner Stadtverordneten stimmen einer Vorlage des Magistrats zur Errichtung eines dritten städtischen Krankenhauses zu. Unmittelbar danach beginnen die Bauarbeiten nach Plänen des Berliner Stadtbaurates und Architekten Hermann Blankenstein.
1889 Der Internist Albert Fraenkel und der Chirurg Werner Körte werden als Ärztliche Direktoren angestellt. Gemeinsam mit einem Verwaltungsleiter bilden sie das Leitungstriumvirat des Krankenhauses.
10.6.1890 Eröffnung des Krankenhauses Am Urban um 9.00 Uhr mit der Aufnahme der ersten Patientin, einem „lungenleidenden Dienstmädchen“. Insgesamt gibt es 600 Betten. Davon stehen der inneren Abteilung 192 Männer- und 166 Frauenbetten, der chirurgischen Abteilung 120 Männer- und 96 Frauenbetten sowie 16 Betten für einen Isolierpavillon zur Verfügung. Die restlichen sind Reservebetten. Die Aufsicht über die Pflege der Kranken haben Viktoria-Schwestern, die aus dem Krankenhaus im Friedrichshain in das neue Krankenhaus versetzt wurden.
1897 Anwendung von Röntgenstrahlen im Krankenhaus Am Urban, zwei Jahre nach ihrer Entdeckung. Durch den verantwortlichen Arzt Konrad Biesalski kommt es zu mehreren Verbesserungen beim Einsatz dieser Technik. Biesalski, der auch als Begründer der modernen Behindertenfürsorge gilt, wird später Leiter des Oskar-Helene-Heims.
1902 Aufgrund der Bettennot erhält das Krankenhaus Am Urban Räume im ehemaligen Erziehungshaus Urbanstraße 23, Ecke Fontanepromenade. 1905 erwirbt die Stadt das Gebäude und plant hier Erweiterungsbauten für das Krankenhaus Am Urban. Bis 1915 wird aber nur ein kleiner Teil des Bauvorhabens realisiert.
1902/1903 Martha Wygodzinski und Helenfriederike Stelzner sind die ersten Volontärärztinnen im Krankenhaus Am Urban. Beide haben zuvor in der Schweiz studiert.
1905 – 1922 Der bekannte deutsche Biochemiker <a href="/fuer-sie-vor-ort/details/einrichtung/vivantes-klinikum-am-urban/seite/geschichte-des-hauses-2/action/custompage/#12339">Leonor Michaelis</a> leitet das bakteriologische Laboratorium am Städtischen Urban-Krankenhaus. Michaelis gilt als Mitbegründer der Enzymkinetik und war wegweisend bei der Einführung physikalisch-chemischer Methoden in Medizin und Biologie.
1910 Dienstaufnahme eines Zahnarztes im Krankenhaus.
1911 <a href="/fuer-sie-vor-ort/details/einrichtung/vivantes-klinikum-am-urban/seite/geschichte-des-hauses-2/action/custompage/#12094">Alfred Döblin</a> muss seine Arztstelle, die er 1908 im Krankenhaus Am Urban angetreten hat, wegen Heirat aufgeben, da Assistenzärzte im Krankenhaus wohnen und unverheiratet bleiben mussten. Verschiedene bauliche Erweiterungen werden vorgenommen (Apotheken-, Röntgen- und Schwesternhaus).
1913 Im Krankenhaus Am Urban wird soziale Krankenhausfürsorge – zunächst auf privater Basis – eingeführt und ab 1920 in die städtische Verwaltung übernommen.
1914 Nutzung von 240 Betten durch die Militärbehörde für Verletzte des 1. Weltkrieges. Viele Assistenzärzte melden sich freiwillig zum Kriegsdienst und müssen zum Teil durch niedergelassene Ärzte ersetzt werden.
1915 Eine Diphterie-Epidemie in Berlin führt zur Einrichtung einer Diphteriestation.
1917 Nach Rückgang der Diphterie-Epidemie werden die Betten für Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten genutzt.
1.10.1923 Nach Überführung der Viktoria-Schwestern in die städtische Verwaltung wird Gertrud Rüden zur ersten Krankenpflegeleiterin im Krankenhaus Am Urban bestellt. 1924 eröffnet das Krankenhaus eine eigene Krankenpflegeschule.
1925 Im Gebäude des ehemaligen Erziehungshauses wird das Gesundheitshaus Am Urban eröffnet. Neben vielfältigen sozialmedizinischen Angeboten bieten hier eine chirurgische und eine zahnärztliche Ambulanz des Krankenhauses Am Urban medizinische Hilfe.
1929 Die Weltwirtschaftskrise stoppt das geplante Neubauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Erziehungshauses Urbanstraße 23. Es entsteht lediglich eine provisorische Erweiterung durch fünf kleinere Baracken. Außerdem wird eine HNO-Abteilung eingerichtet.
11.3.1933 SA-Leute besetzen das Krankenhaus. Die Ärztlichen Direktoren Franz Schück und Hermann Zondek – beide jüdischer Herkunft – werden entlassen, mehrere jüdische Ärzte verhaftet und misshandelt. Bis 1934 werden rund 20 Ärzte des Krankenhauses Am Urban entlassen und aus Deutschland vertrieben.
1933 Einrichtung einer gynäkologischen Abteilung im Krankenhaus. Nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses werden ab 1933 im Krankenhaus Am Urban Zwangssterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt.
1938 Einrichtung einer Baracke für Klein- und Schulkinder auf dem Grundstück Urbanstraße 10/11 (Infektionskrankheiten)
1939 Eröffnung der Behelfskrankenhäuser Graefestraße 85-88, Haus A (ehemalige Hauswirtschaftliche Schule) und Bergmannstraße 60-65 (ehemalige Volksschule). Sie sind dem Krankenhaus Am Urban unterstellt.
1940 Übernahme des Gebäudes Müllenhoffstraße 17, das seit etwa 1911 vom „Wöchnerinnenverein“ zur gynäkologischen Betreuung und geburtshilflichen Beratung genutzt wurde.
1941/42 Errichtung eines Operationsbunkers im Innenbereich des Krankenhausensembles.
1942 Hinzunahme der Behelfskrankenhäuser Graefestraße 85-88, Haus B und Görlitzer Ufer 2 (ehemalige Volksschulen). Im Behelfskrankenhaus Graefestraße sind während des Krieges zumeist an Tuberkulose erkrankte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht, von denen hier rund 400 sterben.
22.11.1943 Bei einem Luftangriff auf das Krankenhaus Am Urban finden 20 Mitarbeiter und 29 Patienten den Tod.
28.4.1945 Die Rote Armee besetzt vorübergehend das Krankenhaus. Etwa 30 Prozent der Gebäude sind durch Bomben und Kriegshandlungen zerstört.
2.7.1951 Ferdinand Sauerbruch, der in seiner letzen Lebensphase zunehmend unter Demenz leidet, stirbt im Krankenhaus Am Urban, wo er von seinem ehemaligen Assistenten Max Madlener betreut wurde.
1954 Eröffnung der neuen Rettungsstelle und der Krankenaufnahme im Neubau Urban-, Ecke Grimmstraße.
1956 Inbetriebnahme des neuen Badehauses und des Chemischen Labors im wieder aufgebauten Haus V.
1958 – 1959 Bau und Inbetriebnahme (1. Dezember 1959) des Schwesternwohnheims Fontanepromenade 12/13 (ehemaliges Erziehungshausgrundstück)
1962 Peter Poelzig erhält den Auftrag für den Neubau des Krankenhauses Am Urban. Die kompakte zweiflügelige Anlage ist für 750 Betten konzipiert.
1963 Bau einer Müllverbrennungsanlage
13.9.1964 Der spätere Friedensnobelpreisträger Martin Luther King jr. besucht im Krankenhaus Am Urban den jungen DDR-Flüchtling Michael Mayer, der wenige Stunden vorher bei seinem Fluchtversuch von DDR-Grenzsoldaten angeschossen und schwer verletzt worden war. King, der spätestens seit seiner „I have a dream“-Rede auch in Berlin als lebende Legende gilt, war einen Tag zuvor in die Stadt gekommen. Als er von dem Vorfall an der Grenze erfährt, eilt er nach Kreuzberg. Am gleichen Tag spricht er im West- wie auch im Ostteil der Stadt vor Tausenden begeisterten Zuhörern und verurteilt die „trennende Mauer der Feindschaft“.
15.6.1966 Grundsteinlegung für den ersten städtischen Berliner Krankenhausneubau nach dem Krieg durch den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt.
24.5.1968 Richtfest für den Neubau.
28.8.1970 Einweihung des Neubaus in Anwesenheit des Bundespräsidenten Gustav Heinemann.
1971 Übernahme des Krankenhauses am Kreuzberg in der Wartenburgstraße. Die Klinik war 1945 auf Anordnung der US-amerikanischen Besatzungsmacht im ehemaligen St. Gertrauden Wohnstift eingerichtet worden. Mit den Standorten Wartenburgstraße (230 Betten), Altbau Dieffenbachstraße (340 Betten) und Neubau (830 Betten) ist das Krankenhaus Am Urban eines der größten im damaligen West-Berlin.
1976 Aufnahme des Betriebes als Akademisches Lehrkrankenhaus.
1981 Erweiterung des Neubaus durch eine Intensivstation mit OP-Trakt. Abtrennung der Neurologischen Abteilung von der Psychiatrie.
1.4.1983 Verlegung der Abteilung Naturheilkunde von der Wartenburgstraße an das Rudolf-Virchow-Krankenhaus.
1983 Inbetriebnahme eines Ganzkörper-Computertomographen.
16.7.1985 Richtfest für den Anbau (neuer OP-Trakt und operative Intensivstationen; urologische Endoskopie).
1987 Inbetriebnahme des Lithotripters (Nierensteinzertrümmerers) in Kooperation mit dem Neuköllner Krankenhaus. Betriebsaufnahme der neuen Aufnahmestation mit zwei Intensivstationen im Erweiterungsbau. Umgestaltung der Eingangshalle, Inbetriebnahme der neuen Cafeteria.
1988 Einführung der Patienten- und Pflegedokumentation. Inbetriebnahme des Zentrums für Brandverletzte.
10.6.1990 Eröffnung der Alfred-Döblin-Patientenbibliothek und der Galerie Am Urban aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Krankenhauses Am Urban.
1.10.1990 Inbetriebnahme des Kernspintomografen gemeinsam mit dem Krankenhaus Neukölln.
17.11.1990 Aufnahme partnerschaftlicher Beziehungen mit dem Krankenhaus im Friedrichshain, dem ersten städtischen Krankenhaus Berlins.
1994 Inbetriebnahme des Hubschrauberlandeplatzes
1995 Verlegung des Zentrums für Brandverletzte nach Berlin-Marzahn.
1997 Beginn der Umsetzung des Vorhabens Modellkrankenhaus Am Urban.
1998 Am 26. Oktober 1998 überreicht Hans Ake Fabricius, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Am Urban, dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen 51.000 Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses, das – wie auch andere städtische Krankenhäuser - mit Kürzungs- und Schließungsplänen des Senats konfrontiert wird. Am 11. November beteiligen sich rund 2000 Menschen an einer Lichterkette rund um das Krankenhaus und protestieren gegen eine drohende Schließung.
1999 Die Schließung des Krankenhauses Am Urban kann abgewendet werden. Aufnahme der Gespräche über enge Kooperation/Fusion mit dem Krankenhaus im Friedrichshain.
31.12.2000 Betriebsaufgabe des Standortes Wartenburgstraße.
1.1.2001 Das Krankenhaus Am Urban wird in die Net-Ge GmbH eingegliedert, die neun städtische Berliner Krankenhausbetriebe vereint. Ab Mai 2001 firmiert die Gesellschaft unter der Bezeichnung „Vivantes – Netzwerk für Gesundheit“.
2002 2002 Beginn der Stationssanierungen. Heute sind die meisten Stationen aufwendig saniert und werden regelmäßig modernisiert.
2003 Verkauf des Betriebsteils Wartenburgstraße. Im Juni 2003 Eröffnung des Brustzentrums. Heute ist das Vivantes Brustzentrum eines der größten zertifizierten Brustzentren Deutschlands.
2004 Die Abteilung Hämatologie und Onkologie wird vom ehemaligen Krankenhaus Moabit ins Klinikum Am Urban verlegt. Die traditionsreiche Krankenschule Am Urban wird geschlossen. Ein Jahr zuvor hatte Vivantes das Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen gegründet und dort die Ausbildungsgänge für pflegerische, medizinische und kaufmännische Berufe zentralisiert.
2008 Verkauf des Gründungsstandortes Dieffenbachstraße. In den denkmalgeschützen Altbauten werden über Hundert Wohn- und vier Gewerbeeinheiten geschaffen. Der ehemalige Pavillion II gehört heute wieder zum Vivantes Klinikum Am Urban und ist Sitz der psychiatrischen Tagesklinik. Sanierung der Rettungsstelle.
2.10.2012 Aufnahme des Poelzig-Baus in die Liste der Berliner Baudenkmäler.
2013 Eröffnung einer Komfortstation in der 9. Etage.
2013 Erweiterung des Herzkatheterlabors und Schaffung eines kardiochirurgischen Hybrid-Ops.
2014 Ein Kernspintomographiegerät – auch Magnetresonanztomographiegerät oder „MRT“ genannt – geht in Betrieb.
2015 125 Jahre Klinikum Am Urban (Jubiläumsfeier am 10. Juli 2015).
2015 Anschaffung eines hochmodernen 256-Zeilen-Computertomographen.
2016 Inbetriebnahme eines Da-Vinci-Roboters. Das Robotersystem vergrößert den OP-Bereich visuell um das 10-fache und bietet 3D-Optik.

Leonor Michaelis

Leonor Michaelis ist ein bekannter deutscher Biochemiker, jüdischer Abstammung. Er gilt als Mitbegründer der Enzymkinetik und war wegweisend bei der Einführung physikalisch-chemischer Methoden in Medizin und Biologie. Zu seinen wichtigsten Verdiensten gehört die Michaelis-Menten-Theorie zur Kinetik von Enzymen, die er gemeinsam mit der kanadischen Medizinerin Maud Menten entwickelte.

Michaelis wurde am 16. Januar 1875 in Berlin geboren. Er studierte in Freiburg und später in Berlin Medizin, wo er 1897 promovierte. Anschließend arbeitete er unter anderem als Assistent von Paul Ehrlich im Steglitzer Institut für Serumforschung und im Städtischen Krankenhaus Gitschiner Straße.

Von 1905 bis 1922 leitete Michaelis das bakteriologische Laboratorium am Städtischen Urban-Krankenhaus. Dort arbeitete er eng mit Peter Rona, dem Leiter des chemischen Laboratoriums, zusammen. Außerhalb des Dienstes und entgegen dem von der Stadtverwaltung angeordneten Forschungsverbot entstanden 41 gemeinsame Publikationen. Die Themen umfassten unter anderen Untersuchungen zum Verhalten des Blutzuckers im Plasma sowie Methodenvergleiche zur Abtrennung der Eiweißstoffe des Blutes.

1908 wurde Michaelis zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin benannt. Trotz dieser Ernennung blieb ihm in Deutschland der berufliche Aufstieg verwehrt. Er emigrierte 1922  nach Japan, wo er eine Professur für Biochemie an der Medizinischen Hochschule in Nagoya annahm. Ab 1926 lehrte er für drei Jahre an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, USA. 1929 wurde er Mitglied des Rockefeller-Instituts für Medizinische Forschung in New York.

Auf seine Zugehörigkeit zur Berliner Universität legte Michaelis weiterhin großen Wert. Als ihm 1933 die dortige Lehrbefugnis entzogen wurde verweigerte er fortan alle Kontakte nach Deutschland, lehnte es ab in deutscher Sprache zu veröffentlichen und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Am 8. Oktober 1949 starb Leonor Michaelis in New York City.

Quelle: Neue Deutsche Biographie. Band 17: Mellander – Moller. Hrsg.: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin, 1994, S. 435f.

Alfred Döblin

Anläßlich seines 100-jährigen Bestehens eröffnete das Krankenhaus Am Urban für seine Patienten und Mitarbeiter die Alfred-Döblin-Bibliothek. Diese kulturelle Einrichtung erinnert an den Lebensweg und das Werk des Berliner Arztes und Dichters Alfred Döblin, der von 1908 bis 1911 als Assistenzarzt Mitarbeiter des Krankenhauses Am Urban war.

Alfred Döblin muss die Arbeit in den Krankensälen gefallen haben. Immer wieder bezeugt er in seinem späteren Werk und den autobiographischen Notizen die Verbundenheit mit den einfachen Menschen, die er auf den Stationen kennenlernte. hinzu kam ein neues Interesse an wissenschaftlichen Untersuchungen, denen er im Krankenhaus Am Urban nachgehen konnte.

In diesen Zeitabschnitt fällt die Begegnung mit einer jungen Medizinalassistentin, die Döblin am 'Urban' kennenlernt. Erna Charlotte Reiss (geb. am 13.02.1888 in Berlin) studierte ab dem Wintersemester 1908/09 in Berlin Medizin und praktiziert am Urban-Krankenhaus. Im Februar 1911, Erna Reiss' 23. Geburtstag, verlobt sich die Urban-Bekanntschaft. Dass Alfred Döblin deshalb das Krankenhaus verlassen muss, mutet uns heute skurril an:

'Dem Assistenzarzt Dr. S. ist durch die Anstaltsdirektion ein ernster Verweis zu erteilen. Von seiner Entlassung wird in Rücksicht darauf abgesehen, dass er anscheinend in gutem Glauben die Meldung von seiner Verheiratung unterlassen hat. Es wird grundsätzlich beschlossen: a) in Zukunft sollen verheiratete Assistenzärzte nicht mehr in Krankenhäusern beschäftigt werden ...'
(Protokoll des Krankenhaus-Deputation vom 30. Januar 1909)

Döblin bedauert das erzwungene Ausscheiden, da es ihn – trotz der kärglichen Bezahlung, die einem Assistenten damals zustand - dazu nötigt, in freier Praxis ein Auskommen zu suchen. Alfred Döblin eröffnet seine Praxis als praktischer Arzt und Geburtshelfer in der Blücherstraße 18 am Halleschen Tor, bleibt den Kreuzberger Patienten somit noch einige Zeit als 'Armenarzt' erhalten. Später praktiziert er im Berliner Osten in der Frankfurter Allee 194.

In den 20er Jahren begründet Alfred Döblin seinen Ruf als einer der bedeutendsten Schriftsteller Deutschlands. In der Öffentlichkeit wird er einem breiten Publikum als politischer Feuilletonist und mit seinem 1929 erscheinenden Roman Berlin Alexanderplatz: die Geschichte vom Franz Biberkopf bekannt. Döblin schreibt damit den ersten modernen Großstadtroman und schildert in der Berliner Alltagssprache die Lebenssituation der Armen und von der Gesellschaft Ausgestoßenen. Dabei greift er vielfach auf seine Erfahrungen auf den Krankenstationen zurück.

'Arzt kann ich hier nicht sein im Ausland, und schreiben wofür, für wen?'. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 flieht Alfred Döblin in die Schweiz. Erna Döblin und die Söhne Peter, Klaus und Stefan folgen Anfang März 1933, Wolfgang im April. Die schweren Exiljahre verleben die Döblins in der Schweiz, in Frankreich und nach der erneuten Flucht über Spanien und Portugel ab September 1940 in den USA. Die Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland prägt die Familie: Wolfgang nimmt sich am 21. Juni 1940 das Leben, um nicht in deutsche Kriegsgefangenschaft zu geraten, Stefan und Peter bleiben in den USA, Claude Döblin lebt nach 1945 in Nizza.

Nach dem II. Weltkrieg wird Döblin in Deutschland - wie viele Emigranten - nicht mehr heimisch. Nach schwerer Krankheit stirbt Döblin am 26. Juni 1957 in Emmendingen. Wenige Wochen später nimmt sich Erna Döblin in Paris das Leben. Die Alfred-Döblin-Bibliothek erinnert mit dem Namen Alfred Döblins – stellvertretend für weniger bekannte Zeitgenossen – an bislang zu wenig wahrgenommene Lebensläufe ehemaliger Mitarbeiter des Krankenhauses Am Urban. Gleichzeitig fühlt sich die Bibliothek dem Werk der deutschsprachigen Schriftsteller verbunden, die 1933 das Land unter Aufgabe jedweder materieller und seelischer Sicherheit verlassen mußten.

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Vivantes Klinikum Am Urban

Station Haus Geschoß Örtlichkeit (nur, wenn nicht Hauptstandort)
operative Intensivstation 12 Hauptgebäude 1.OG
Intensivstation 02 (Kardiologie) Hauptgebäude EG
Station 03 (Krisenintervention Psychiatrie) Hauptgebäude EG
Station 04 (Psychiatrie) Hauptgebäude EG
Station 14 (Psychiatrie) Hauptgebäude 1. OG
Station 21 (Psychiatrie) Hauptgebäude 2. OG
Frühinterventions- und Therapiezentrum-FRITZ am Urban Hauptgebäude 2.OG
Station 23 (Psychiatrie) Hauptgebäude 2. OG
Station 31 (Psychiatrie) Hauptgebäude 3. OG
Station 32 (Psychiatrie) Hauptgebäude 3. OG
Station 33 (Psychiatrie) Hauptgebäude 3. OG
Station 41 Hauptgebäude 4.OG
Station 42 Hauptgebäude 4.OG
Station 41.1 Hauptgebäude 4.OG
Station 42.1 Hauptgebäude 4.OG
Station 51 Hauptgebäude 5.OG
Station 52 Hauptgebäude 5.OG
Station 53 Hauptgebäude 5.OG
Station 61 Hauptgebäude 6.OG
Station 62 Hauptgebäude 6.OG
Station 63 (Brustzentrum) Hauptgebäude 6.OG
Station 71 Hauptgebäude 7.OG
Station 72 Hauptgebäude 7.OG
Station 81 Hauptgebäude 8.OG
Station 82 Hauptgebäude 8.OG
Station 93 (Komfortstation) Hauptgebäude 9.OG
Tagesklinik 83 (Brustzentrum) Hauptgebäude 8.OG
Tagesklinik 83 (Onkologie) Hauptgebäude 8.OG
Tagesklinik Psychiatrie Altbau, Haus 2
INKA (Interdisziplinäre Kurzaufnahmestation der Rettungsstelle Hauptgebäude EG